Der Mensch und seine HÄNDE

  • Ich erinnere mich noch recht lebhaft: im Jahre 1959 - bei einem Besuch in Mailand - überforderte mich eine ein wenig ältere Kusine mit der leidenschaftlichen Penetranz, mit welcher sie über die Bedeutung der "Hände" in ihrem Erleben Erzählung auf Erzählung, Beschreibung auf Beschreibung vortrug. Sie zeigte mir hunderte von eigenen (!) Zeichnungen und Radierungen von menschlichen Händen; erklärte mir die beinah unbegrenzte Faszination, die "Hände" auf sie ausübten; beschrieb die Sprachmächtigkeit, die für sie von einer genauen Hand-Betrachtung ausging.


    Für mich war es ein "Erstes Mal", und ich gestehe hier offen: Ich hatte in der Tat Mühe mitzukommen.


    Der damalige Vortrag meiner Kusine eröffnete mir dann erst später und allmählich einen neuen Horizont. Auch ich fing an, die umfassende Bedeutung der Hand ganz zögerlich und langsam zu verstehen.

    Und im Begriff des "Digitalen" spiegelt sich wider "das Verzwickte um die menschliche Hand": "digital" heißt ja "mit den Fingern der Hand gemacht" und bezeichnet etwas, was sich wiederum von der Hand, von den Händen jäh absetzt. (Und auch im Lexem "Begriff" haben wir zunächst "das Greifen" der Hand, bevor dann seine Bedeutung das Materielle des Greifens mit der Hand überstürzt zugunsten des Geistigen zurückweist.)


    Jochen Hörisch (https://de.wikipedia.org/wiki/Jochen_H%C3%B6risch) hat nun ein reiches, erfüllendes Buch darüber ("Hände: Eine Kulturgeschichte") verfasst. Und "DIE ZEIT", ein kulturellen Fragen gegenüber recht aufgeschlossenes Periodikum, veröffentlicht jetzt ein in meinen Augen ziemlich gelungenes und zum Nachdenken anregendes Interview, zu welchem ich nun wirklich gerne für den geneigten Forumleser verlinke: https://www.zeit.de/kultur/2021-05/haende-jochen-hoerisch


    Außerdem verlinke ich zum Buch bei Amazon, weil dort eine Voraus-Lektüre seines Inhaltsverzeichnisses und eines Auszugs von etlichen zusammenhängenden Buchseiten möglich ist: https://smile.amazon.de/H%C3%A…1622244252&s=books&sr=1-1



    PS

    Ich weise auch auf die Kommentare im ZEIT-Artikel. Es sind einige recht gelungene darunter...

    Meine kurzerhand hochgradig kluge, smarte, gewandte, wendige, das kommende Zeitalter bescheiden eröffnende Signatur befindet sich noch in der Herstellungsphase. Falls keine gravierenden Inkompatibilitätsprobleme auftauchen werden, rechne ich sogar mit ihrer Lieferung schon für das 1. Quartal 2034. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.


  • Du wirst mich zunächst fragend ansehen: Gibts gleiches auch für die Füße?

    In einer Reha lernte ich die überaus große Bedeutung der Füße schätzen. In einem Satz: Sie tragen dich ein Leben lang überall hin. PFLEGE hilft!

    Jederzeit und speziell wenn man älter wird, gibt es sogar den ganz großen Zusammenhang mit der Sturzprophylaxe.

  • Ist mir nicht bekannt... Und ich nehme eher an, daß dies nicht der Fall ist. Die Füße sind für den Menschen natürlich fundamental wichtig. Sie sind aber nicht mit den Händen vergleichbar tief-kulturell "geistig besetzt". Und darauf kommt es an.

    Sie bilden den Stoff für einige Metaphern und etliche Geschichten (man denke weit zurück bis z.B. an Achilles...) und sind für die eigene Lebensbewältigung, die Gesundheit und das Wohlergehen von höchster Bedeutung.


    Dennoch, eben, nicht entsprechend "geistig besetzt". Allerdings können sie in der Erotik und Sexualität eine - in Einzelfällen durchaus fundamentale oder zumindest "tragende" - Rolle spielen. Freilich immer irgendwie auch durch eine gewisse Ambivalenz aufgeladen! So daß es auch eine Geschichte von Abwertung um sie geben kann, wie es im deutschen (in vielen Sprachen gar nicht wörtlich übersetzbaren) Ausdruck "Das ist für die Füße!" verachtungsvoll ja voll ausgelebt wird. Kulturell kann die negative Aufladung bis zum Vorherrschen mit hoher Valenz gehen. Von den mir selber bekannten Kulturen ist dies am heftigsten bei der muslimischen der Fall: Dort "gibt es" sozusagen "gar keine schönen Füße"! Sie stehen dort am ehesten ambivalenz-frei für Schmutz und metaphorisch für Unterdrückung.


    Eine mittlere Position nehmen sie in der deutschen Kultur. Als ich Deutsch lernte, gefiel mir sehr der - wiederum nicht übersetzbaren - deutsche Ausdruck "Sich einen schlanken Fuß machen"...


    In der jüdischen kulturellen Überlieferung sind die Füße weitgehend positiv besetzt. Dies gilt auch metaphorisch. So ist die westliche angeblich "biblische Rede" von "sich die Erde untertan machen" das Ergebnis einer kolossalen und verhängnisvollen Fehlübersetzung. Im jüdischen - wie im alt-persischen und babylonischen - Bild einer "quasi Einverleibung" durch "ritualisierte Form-Betretung" durch den eigenen rechten Fuß wiegt der Gedanke von "Verantwortung und liebender Obacht" in höchstem Grade vor dem Gedanken an "Bestimmung" (bis zu "Herrschaft"), so daß die biblische Übersetzung jenes Bildes mit "sich die Erde untertan machen" eine grobe, und in ihren kulturellen Folgen katastrophale Fehlübersetzung ergibt.

    Meine kurzerhand hochgradig kluge, smarte, gewandte, wendige, das kommende Zeitalter bescheiden eröffnende Signatur befindet sich noch in der Herstellungsphase. Falls keine gravierenden Inkompatibilitätsprobleme auftauchen werden, rechne ich sogar mit ihrer Lieferung schon für das 1. Quartal 2034. Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen.


  • ..oh ja, die Hände!


    Ich zeichne seit früher Jugend Cartoons, habe damit sogar tlw. mein Studium finanzieren können.


    Das schwierigste dabei sind immer die Augen - und die HÄNDE!

    Sind dort Schwächen, ist die ganze Zeichnung schwach. Ich habe seitenweise nur Hände gezeichnet, alle möglichen Gesten.


    Und als meine Neffen ebenfalls zu zeichnen anfingen, habe ich ihnen genau diesen Weg gewiesen: Achtet auf die Hände! Die Hände müssen immer "mitreden"!


    Rabe

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!